Online-Mediation: So löst Du einen Konflikt via Internet

Verschiedene Benutzer

Über die Autorin:

Janine Trappe (magister iuris / master of mediation) ist die Gründerin und Geschäftsführerin des Startups enkigo (->www.enkigo.de). Die Plattform enkigo ermöglicht es, das eigene Wissen und Können in Form von Workshops und Kursen anzubieten.

Online-Mediation: So löst Du einen Konflikt via Internet

Unser Leben wird bestimmt, durch die technischen Möglichkeiten, die das World-Wide-Web für uns zu bieten hat. Wir erledigen nicht nur unsere Einkäufe oder Bankgeschäfte online. Auch unsere sozialen Beziehungen, egal ob beruflich oder privat, nehmen im Cyberspace ihren Anfang und werden mit Hilfe der Online-Medien gepflegt. Das Internet ermöglicht es uns über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Doch was ist wenn´s mal knirscht? Denn da wo Menschen miteinander zutun haben, bleiben auch Konflikte nicht aus. Dies gilt für den virtuellen Raum genauso wie für die reale Welt. Hält das Internet auch hierfür schon die passende Lösung bereit?

Ja! Mittlerweile gibt es spannende und zudem erfolgversprechende Möglichkeiten, um Konflikte online zu bearbeiten. Ein Streitbeilegungsverfahren, bei dem die Kommunikation via Internet abläuft ist die sogenannte Online-Mediation.

Da auch im Leben von Startups nicht immer alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist, möchte ich Dir hier die Online-Mediation einmal etwas näher vorstellen. Denn gerade für Startups mit einem starken Bezug zu Internet, Innovation und Kreativität kann dieses neuartige Konfliktlösungsverfahren eine wirkliche Alternative zu Anwalt und Gericht sein.

Was ist Online-Mediation?

Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren zur Konfliktbearbeitung. Ein neutraler Dritter, der Mediator, leitet das Verfahren und verhilft den Parteien somit zu einer Lösung des Konfliktes. Die Besonderheit der Online-Mediation ist, wie der Name schon sagt, dass elektronische Medien zur Kommunikation verwendet werden. Dabei stehen verschiedenste Kommunikationswege zur Verfügung, beispielsweise E-Mail, Chat, Internet-Telefonie oder spezielle Internet-Konferenzsysteme. Die einzelnen Medien können beliebig kombiniert werden, um Sie so den speziellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Parteien anzupassen.

Online-Mediation statt Rechtsstreit – Es gibt gute Gründe

Online-Mediation vereint die Vorteile der klassischen Mediation mit den Vorzügen der virtuellen Kommunikation.

1. Gerichtsverfahren dauern lang

Bis im Gerichtsverfahren ein rechtskräftiges Endurteil gefällt wird vergehen nicht selten Jahre. Dies ist eine lange Zeit, in der auch die persönliche und emotionale Belastung bestehen bleibt. Im Vergleich hierzu ist die Mediation das weitaus schnellere Verfahren und spart somit nicht nur Zeit, sondern schont auch die Nerven.

2.Gerichtsverfahren sind teuer

In der Mediation sind die Kosten überschaubar. Die Vergütung erfolgt in der Regel auf Stundenbasis. Sowohl die Anzahl der Stunden, als auch die Aufteilung der Kosten werden im Vorfeld von den Konfliktparteien vereinbart. Im Gerichtverfahren hingegen hängen die Kosten vom Prozessausgang ab. Die Prozesskosten sind von der unterliegenden Partei zu tragen. Da das Ergebnis des Gerichtsverfahrens in den wenigsten Fällen vorhersehbar ist, trägt jede Partei ein Risiko. In vielen Fällen übernimmt sogar die Rechtsschutzversicherung die Kosten für eine Mediation.

3. Teilnahme an Mediation ist freiwillig

Die Mediation ist ein freiwilliges Verfahren ohne staatlichen oder sonstigen Zwang und kann notfalls jederzeit von den Parteien abgebrochen werden.

4. Vertraulichkeit

Vor Beginn des Mediationsverfahrens verpflichten sich die Parteien zum vertraulichen Umgang mit Informationen. Auch der Mediator ist zur Verschwiegenheit gegenüber Außenstehenden verpflichtet. So kann er sich beispielsweise im Gerichtsprozess auf sein Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Die Mediation außerdem ist ein privates Verfahren zu welchem Außenstehende, im Gegensatz zu einem Gerichtsprozess, keinen Zugang haben. Der Konflikt bleibt somit vertraulich.

5. In der Mediation gibt es keine Verlierer

Im Gerichtsprozess stehen alle Zeichen auf Konfrontation. Es gibt immer mindestens einen Verlierer. Das Ergebnis einer erfolgreichen Mediation ist eine Win-Win-Lösung

6. Mediation ermöglicht vielfältige Lösungen

Während die Entscheidungsmöglichkeiten im Gerichtsprozess von Vornherein auf gesetzlich vorgesehene Ansprüche beschränkt sind, bietet die Mediation den Parteien eine weitaus größere Bandbreite an Lösungsvarianten. Erlaubt ist alles was nicht gesetzlich verboten ist.

7. Selbstbestimmt handeln

Die Parteien erarbeiten, im Unterschied zu einem Gerichtsverfahren, die Lösung ihres Konfliktes eigenverantwortlich. So bleibt man Herr über den eigenen Konflikt!

8. Neutralität des Mediators

Der Mediator ist allparteilich. Das bedeutet er wird keine Partei benachteiligen oder sich für die Interessen nur einer Partei einsetzen.

9. Informiertheit

Alle Parteien müssen über die entscheidungserheblichen Tatsachen und die Rechtslage jederzeit umfassend informiert sein. Der Mediator sorgt dafür, dass sich die Parteien innerhalb des Verfahrens gegenseitig informieren, so dass Transparenz jederzeit gewährleistet ist.

10. Ortsunabhängigkeit

Die Parteien können dank der Online-Medien selbst entscheiden, wann und von wo sie teilnehmen möchten. Auch große Distanzen lassen sich so überbrücken.

11. Kosten- und Zeitersparnis

Kosten und Zeit für Anreise und Aufenthalt können eingespart werden.

12. Man muss einander nicht begegnen

In Fällen in denen sich die Parteien nicht persönlich sehen wollen, schafft die virtuelle Kommunikation Distanz und Sicherheit. Auch Machtungleichgewichte zwischen den Parteien können so ausgeglichen werden, da typisches Machtgehabe wie Anstarren, lautes Auftreten, ins Wort fallen usw. im Rahmen einer Online-Mediation wegfallen.

Gibt es auch Nachteile?

Nachteile entstehen dann, wenn die Online-Mediation scheitert. Wird nun ein Gerichtsprozess erforderlich, ist das Argument der Kosten-und Zeitersparnis hinfällig. Die Durchführung der Mediation via Internet ist dann von Nachteil, wenn die Teilnehmer nicht die gleichen technischen Voraussetzungen oder persönlichen Kompetenzen (z.B. schnelles tippen bei textbasierter Kommunikation via Chat) mitbringen. Dies ist ein Punkt auf den im Vorfeld geachtet werden muss.

Online-Mediation für meinen Konflikt

Wenn Du einen Konflikt hast und Dich fragst, ob Online-Mediation für Dich sinnvoll ist, dann helfen Dir die folgenden Fragen weiter:

1. Verfügen Du und Dein Konfliktpartner über die technischen Voraussetzungen und die nötigen persönlichen Kompetenzen im Umgang mit dem PC?

2. Macht eine große räumliche Distanz zwischen Dir und Deinem Konfliktpartner, persönliche Treffen schwierig?

3. Haben Du und Dein Konfliktpartner grundsätzlich ein Interesse an Offenheit und Fairness?

4. Sind beide Parteien an einer Einigung interessiert, um eine bestehende Beziehung (z.B. Geschäftsbeziehung) zu erhalten?

5. Besteht kein zu großes Machtgefälle? (z.B. große wirtschaftliche Abhängigkeit, …)

6. Ist es wichtig, dass der Konflikt privat und vertraulich behandelt wird?

7. Möchtest Du selbstbestimmt eine Win-Win-Lösung erarbeiten?

Wenn Du Die Mehrzahl dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, dann kann Online-Mediation das passende Verfahren für Dich sein.

Einen qualifizierten Online-Mediator findest Du beispielsweise über das Steinbeis Beratungszentrum – Wirtschaftsmediation (->link: http://www.steinbeis-mediation.com/content/index.php?content=onlinemediation)

Ich wünsche Dir alles Gute für eine erfolgreiche Einigung!

Janine Trappe

Einen Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Kontakt

Rufen Sie uns gerne an, die Nummer ist oben links zu finden. Alternativ können Sie uns jederzeit eine Email senden.

Nicht lesbar? Text ändern. captcha txt

Beginnen Sie mit der Eingabe und drücken Sie Enter, um zu suchen

X
X