Persönliche Kontakte zwischen Nachbarn neu entdeckt – Interview mit WirNachbarn Gründer Philipp Götting

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WirNachbarn.com beleben Nachbarschaften neu

Der Kontakt zu Nachbarn macht glücklich, stärkt den Zusammenhalt und erleichtert das Leben. Im Internetzeitalter sorgt aber das World Wide Web für weniger echte Kontakte im Alltag. Dass man seine Nachbarn im eigenen Haus oder in der Nachbarschaft kennt, ist heutzutage vor allem in Großstädten nicht selbstverständlich.

Philipp Götting hatte daher an Weihnachten 2013 die Idee, reale Kontakte, Begegnungen und Unterstützungsmöglichkeiten über ein interaktives, lokales schwarzes Brett zu organisieren. Zusammen mit seinen Freunden Aymon Delbridge und André Dieling hat der Unternehmer die Internetplattform WirNachbarn.com gegründet. „WirNachbarn“ ist eine Internetplattform, auf der sich Nutzer vernetzen können, die in derselben Nachbarschaft wohnen. Auf der Webseite sollen sich Menschen aus dem gleichen Kiez vernetzen können. Das Berliner Start-up will Nachbarn vernetzen und den Austausch zwischen ihnen ermöglichen – anders gesagt: helfen, das Alltagsleben leichter zu machen.

Um mehr über „WirNachbarn“ zu erfahren, haben wir seinen Gründer Philipp Götting zum Interview gebeten.

Startup Germany: Ihr verweist auf das Buch „Bowling Alone“ des US-Soziologen Robert Putnam. Er stellt darin fest, dass seit den 1960er Jahren alle Formen sozialen Zusammenhalts abgenommen haben: in Vereinen, Kirchen, Politik oder eben in Nachbarschaften. Inwieweit kannst du aus eurer Erfahrung seine Thesen bestätigen?

Wir stellen fest, dass die wissenschaftliche Beobachtung auch in der Nachbarschaft zutrifft: Menschen kommunizieren und unternehmen weniger miteinander als dies vor 20-30 Jahren der Fall war. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. WirNachbarn möchte Nachbarschaftshilfe hingegen einfach, unkompliziert und unaufdringlich wieder beleben. Das klappt in eher anonymen Nachbarschaften. Das ist aber auch spannend für aktive Nachbarschafts-Initiativen als lokale Online-Pinnwand, die die Kommunikation deutlich erleichtert.

Startup Germany: Warum ist eine Plattform wie „WirNachbarn“ notwendig? Denkt ihr, dass der direkte Kontakt zwischen Nachbarn nicht mehr ohne App entstehen kann?

Ich bin schon mehrfach in Deutschland und Europa umgezogen. Ganz ehrlich: Meinen Nachbarn habe ich mich noch nie vorgestellt. Eigentlich dumm. Vor allem, weil ich immer nach 2-3 Jahren, kurz bevor ich weiter gezogen bin, wirklich tolle Leute im Haus oder der Straße kennen gelernt habe. Und: Wie praktisch ist es bitte, einfach per App die Nachbarn zu fragen, wenn man einen Akkubohrer braucht oder einen Tipp für einen guten Schneider? Nur die antworten, die helfen wollen. Und beim Austausch lernt man sich auch noch kennen.

Startup Germany: Viele Bewohner in Mehrparteienhäusern stellen sich nicht mehr den Nachbarn vor, hängen geschweige denn ein Namensschild an der Tür auf. Woran liegt das eurer Meinung nach?

Uns sind Kulturtechniken wie Grüßen, Händeschütteln und Vorstellen abhandengekommen. Da diese Dinge nicht mehr selbstverständlich sind, haben viele eine gewisse Scheu entwickelt.

Startup Germany: Wie könnten Menschen ihre Beziehung zu ihren Nachbarn verbessern?

Ganz einfach: Sich Grüßen, sich vorstellen und kurz mal schwatzen. Und mit der Nutzung von WirNachbarn kann man einfach, unkompliziert Nachbarn um Hilfe bitten. Wer gerade Zeit hat und helfen kann, wird sich melden. Das ist toll. Probiert es aus! Und falls es vor Ort noch keine aktive Nachbarschaft gibt: Baut sie auf. Wir helfen dabei gerne.

Startup Germany: Ihr seid mittlerweile ein erfolgreiches Startup. Wie sieht Euer Alltag mittlerweile aus?

Arbeit von Morgens bis Abends.

Startup Germany: Viele Gründer berichten, dass ein Startup einer emotionalen Achterbahnfahrt gleichkommt. Gab es ein Tief, an dem ihr darüber nachgedacht habt, alles hinzuwerfen? Und wenn „Ja“, woran lag es und was habt ihr dagegen getan?

Ja, es ist eine Achterbahn. Ein tolles Wechselbad von Erfolgserlebnisse und Niederlagen. Und natürlich stellt man sich hier und da auch existentielle Fragen. Aber: Wir haben die Chance, die Gesellschaft ein klein wenig zu verändern. Nachbarschaftshilfe wieder selbstverständlich zu machen. Das wollen wir schaffen!

Startup Germany: Warum habt ihr Euch für Berlin als Standort entschieden?

Das Wetter! Gerade jetzt im Oktober ist es so wunderbar nasskalt, grau und … Im Ernst: Berlin ist einfach der beste Standort für Startups in Deutschland. Niergendwo gibt es mehr Leute, die etwas bewegen wollen. Das steckt an. Mich selbst hätte auch London sehr gereizt. Aber da wäre unser Geld jetzt schon aufgebraucht.

Startup Germany: Was sind Eure weiteren Pläne? Habt ihr Ideen, wie „WirNachbarn“ weiterentwickelt werden könnte?

Klar! Unsere Produktentwicklungs-Liste alleine umfasst ein paar Seiten. Das wird noch richtig, richtig gut! Und natürlich wollen wir bald mit konzertierten Aktionen die nächsten Städte angehen. Bisher sind wir vor allem in Berlin und Köln richtig aktiv. In anderen Regionen unterstützen wir aber schon heute Nachbarn beim Aufbau von aktiven Nachbarschaften.

Wir bedanken uns recht herzlich für das interessante Gespräch und wünschen Euch viel Erfolg mit Eurem Startup.

 

 

 

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