Aldi – Was Unternehmer von den Albrechts lernen können

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Der heutige Gastbeitrag wurde uns freundlicherweise von www.start-up-berater.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

 

Aldi – Was Unternehmer von den Albrechts lernen können

Wer ist Aldi?

Die Frage, wer Aldi ist, kann in Deutschland wohl jedes Kind beantworten. Das hinter dem Handelsimperium Aldi aber zwei Brüder Karl und Theodor Albrecht steckten, das weiß allerdings schon nicht mehr jedes Kind.

Nachdem Theo Albrecht (Aldi-Nord) bereits 2010 verstorben war, folgte am 16.07.2014 sein Bruder Karl Albrecht (Aldi-Süd) im Alter von 94 Jahren.

Beiden Brüdern gelang es aus dem elterlichen Betrieb, einer kleinen Ladenstube in Essen, einen weltweit agierenden Handelskonzern zu schaffen. Sie haben Deutschlands Lebensmitteleinzelhandel für immer geprägt, in dem sie den Discounter schufen und alle Gesellschaftsschichten beim Lebensmittelkauf auf Aldi eichten.

Ende Juli veröffentlichte die Wirtschaftswoche einen Artikel zu den Leitsätzen der Aldi-Brüder, die auch in anderen Branchen kopiert wurden und es wert sind, dass sie sich jeder Unternehmer ins Bewusstsein ruft. Daher unser Artikel zu den sieben Aldi-Leitsätzen. Zugegeben, eine etwas andere Gründer-Story.

1. Aldi-Leitsatz: Reduziere die Risiken

Nach Übernahme des elterlichen Betriebes entwickelten sich die “Tante-Emma”-Läden zum Auslaufmodell. Der Zeitgeist geht zum Selbstbedienungs-Supermarkt. Beim Versuch, eigene Supermärkte zu gründen, scheitern die Albrechts. Auch ein Lebensmittelgroßhandel scheitert. Erst die Positionierung des neu erfundenen Discounter gelingt. Dieser ist, geprägt von karger Ausstattung, einem begrenzten Angebot, aber einem sensationell günstigen Preis der angebotenen Waren eine Handelsrevolution.

Statt das nun erfundene Geschäftsmodell ständig zu innovieren, reduzieren die beiden Aldi-Brüder nun systematisch die Risiken und setzen nur auf langfristig bewährte Technik, deren Kinderkrankheiten bei der Konkurrenz ausgemerzt wurden. So ist es noch nicht allzu lange her, dass man bei Aldi nicht mit EC-Karte, sondern nur bar zahlen konnte, weil die Technik und die damit verbundenen Transaktionskosten den Brüdern zu teuer war.

Egal ob das Geschäft mit den wöchtentlichen Aktionsartikeln, der Expansion in ein neues Land dieser Erde oder Innovationen im Laden, wie aktuell die verstärkt einziehenden Brotbackautomaten. Aldi wartet die Markttrends entspannt ab, beobachtet, ob sich die Trends durchsetzen und nutzt dann seine Handelsmacht, um es der Konkurrenz schwer zu machen.

2. Aldi-Leitsatz: Verteidige den Marktkern

Aldi ist bei uns immer wieder ein beliebtes Beispiel zum Thema Positionierung. Alles und wirklich Alles bei Aldi ist darauf getrimmt, dem Kunden zu vermitteln, dass er nirgendwo günstiger einkaufen kann, als bei Aldi. Und regelmäßige Tests belegen, dass Aldi der unangefochtene Preisführer in Deutschland ist. Über die Jahre haben sich zwar das Warenangebot, die Technik und die Ausstattung der Läden verändert, aber nicht die Preispolitik. Das bei der Niedrigpreispolitik die Qualität nicht auf der Strecke bleiben muss, wird ebenso streng überwacht. Hersteller die nicht die entsprechende Qualität liefern, werden rigoros ausgetauscht.

3. Aldi-Leitsatz: Verringere die Komplexität

Die Konzentration auf das Wesentliche ist eine weitere Aldi-Meisterschaft. Das Sortiment eines Aldi-Marktes umfasste zu Beginn gerade einmal 350 Artikel, auch heute noch sind es weniger als 700 Artikel. Wenn etwas neues ins Sortiment aufgenommen wird, muss etwas anderes gehen. Und wer genießt nicht manchmal beim Einkauf die Einfachheit, nicht aus 20 Waschmitteln auswählen zu müssen, sondern nur die mit “gut” getesteten Produkte der Eigenmarken von Aldi zu finden. Eine Auswahl zwischen Pulver und Flüssigwaschmittel ist auch bei Aldi möglich.

Die Vorteile für Aldi liegen auf der Hand. Durch die konsequente Sortimentspolitik wird pro Artikel mehr umgesetzt, was sich wieder auf Einkaufsvolumen und Einkaufspreise auswirkt. Auch ist Logistik und Handling von weniger Artikeln einfacher. Mitarbeiter wie Kunden finden sich in jedem Aldi der Republik auf Anhieb zurecht. Die bekannten Artikel, die man mehr oder weniger schon alle mal ausprobiert hat, schaffen ein großes Verbrauchervertrauen.

Der Erfolg gibt Aldi recht. Mit 7.900 EUR pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist Aldi Branchenprimus in Deutschland.

4. Aldi-Leitsatz: Halte das Geld zusammen

Prunk und Pomp sucht man bei den Albrechts vergebens. Im Gegenteil: Eiserne Kostendisziplin und ein asketisches Vorleben dieser Werte wird den Aldi-Brüdern nachgesagt. Der Gewinn wird fast ausschließlich in das Kerngeschäft investiert oder für schwere Zeiten gespart. Das Unternehmen finanziert sich fast ausschließlich aus sich selbst heraus.

5. Aldi-Leitsatz: Schaffe klare Strukturen

Nachdem sich die Brüder in den Sechziger Jahren nicht über das Sortiment einigen können, wir Aldi in Aldi-Nord und Aldi-Süd aufgeteilt. Der brüderliche Verbund schafft eigenen Ansporn und eigene Konkurrenz. Auch die weltweite Expansion wird entsprechend verteilt. Ebenso ist eine glasklare Organisations- und Führungsstruktur implementiert. Bei Aldi müssen Manager entscheiden, delegieren oder das weiterreichen von Verantwortung wird konsequent verhindert. Erfolge und Misserfolge werden so direkt messbar gemacht.

6. Aldi-Leitsatz: Sichere die Handlungsfähigkeit ab

Bei Aldi ist Alles und Jeder ersetzbar, auch die Aldi-Brüder selbst. Es gibt für die meisten Produkte mehrere Hersteller und Lieferanten. Das Personal wird immer auch für die nächsthöhere Führungsebene ausgebildet. Aldi sucht nicht den einen Spitzen-Manager, sondern ein Heer von gut ausgebildeten Arbeitern über alle Führungsebenen hinweg. Damit bleibt der Konzern stabil und ist weder intern noch extern besonders krisenanfällig.

7. Aldi-Leitsatz: Regele rechtzeitig Dein Erbe

In Deutschland stehen ca. 70.000 Unternehmen zur Nachfolge an. Vor allem Familienunternehmen finden nicht immer einen Nachfolger in den eigenen Reihen und bedrohen die Existenz der Familientradition mit Erbstreitigkeiten. Bei Aldi wurde zu Lebzeiten geregelt, was zu regeln war. Die Eigentums- und Organisationsstruktur ist so ausbalanciert, dass eine Zerschlagung nahezu unmöglich wird. Der Großteil des Vermögens ist in eine Stiftung eingebracht, was auch steuerliche Vorteile bringt.

 

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