Der Journalismus der Zukunft?

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deepr journalism startet eine Plattform für crowdfinanzierten Journalismus

“Die werden die Digitalisierung schon noch hinbekommen. Dachten wir jahrelang, aber nichts ist geschehen.” ’Die’ steht für die Giganten der deutschen Medienbranche, welche durch die Bank sinkende Abonnentenzahlen verzeichnen und deren Verluste nicht durch die Werbefinanzierung im Internet kompensiert werden können.
deepr versucht, was Experten und Verlage bereits seit Jahren diskutieren: Den Onlinejournalismus für Leser attraktiv und für Journalisten finanziell lohnenswert zu machen. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Crowdfunding für einzelne Artikel. Journalisten pitchen auf der Plattform ihre Idee für einen Artikel und Leser können das Vorhaben mit 1 € unterstützen. Als Alleinstellungsmerkmale werden Exklusivität, Internationalität und Geräteunabhängigkeit genannt. Nur, wer für einen Artikel zahlt, erhält Zugriff darauf. Was deepr beisteuert – neben der Abwicklung der Transaktion -, sind das Design des Artikels, die Übersetzung ins Englische bzw. Deutsche und die Erstellung von digitalen Reader-Formaten (PDF, ePub, mobi).
Das Startup will unabhängigen, werbefreien, digitalen Journalismus bieten. Durch die Verbindung von Text mit Infografiken, Bildern, Audio und Videos soll Mehrwert entstehen. “Wir sehen Potenziale und Chancen hinter den Problemen.”, sagt Co-Founder Armin, der auch einer der Organisatoren des Startup Weekend Berlin ist. “Die Aufschlagweite einer Zeitung kommt der Spannweite eines Kondors gleich und verhindert jeglichen Lesespaß. In der Bahn und im Flugzeug liegen Printzeitungen aus, wenngleich jeder der Reisenden ein Notebook oder ein Tablet mitführt. Du willst eigentlich entspannt lesen, darfst aber zunächst einmal 5 cm Werbung wegwerfen. Was übrig bleibt sind wenige Artikel von Interesse – das ist ineffizient und bereitet uns allen doch immer ein schlechtes Gewissen.”
deepr, das sind Armin Eichhorn, Philip Mertes, Sascha Steinbock und Stephan Max. Die Gründer, die in ganz Deutschland verteilt sitzen und als Zentrum ihrer Idee Berlin auserkoren haben, trafen sich beim Startup Weekend in Köln im Januar 2014. Hier haben sie sich dazu entschlossen, “die Beziehung zwischen Lesern und Autoren neu zu erfinden und Werbung aus dieser Gleichung komplett zu streichen.” Damit das nicht nur schön klingt, sondern auch funktioniert, gehen sie nach dem “Lean Startup”-Prinzip vor. Minimaler finanzieller Aufwand wird durch leidenschaftliche Arbeitsleistung und Schnelligkeit kompensiert. Alle vier Gründer gehen hauptberuflich anderen Tätigkeiten nach und arbeiten an deepr nach Feierabend bis tief in die Nacht hinein. “Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, früher aufzustehen und nachts zu arbeiten. That’s Startup – 24/7! Aber es schränkt uns derzeit absolut nicht ein, wir sprudeln vor Ideen und die gemeinsame Vision eint uns.”
Und auch das ist sehr Startup-like: Schwächen zu Stärken machen. Keiner der Gründer ist Journalist oder hat anderweitige Erfahrung in der Medienbranche. Stattdessen vereinen sie unterschiedliche Fähigkeiten und wollen aus der “leider oft vernachlässigten Sicht [des Lesers]” Veränderungen bewirken. Es wäre nicht das erste Startup, welches versucht, ein persönliches Problem zu lösen und dabei auf ein veritables Geschäftsmodell stößt. Der Start ist jedenfalls bereits gelungen: Die ersten Pitches generieren bereits Funding von echten Kunden, über die Website www.godeepr.com.
Wir wünschen euch viel Erfolg, deepr!

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