Die 7 größten Startupmythen – von Franck Nouyrigat

Markus Schranner

Den englischen Originalartikel von Franck Nouyrigat (Co-Founder Startup Weekend) findet ihr hier!

Übersetzt hat den englischen Artikel Markus Schranner.

Ich (Franck) möchte gerne die größten Mythen, die ich in den letzten fünf Jahren bekämpft habe mit euch teilen. Der Großteil basiert auf soliden akademischen Beobachtungen (und andere sind einfach von mir). Bitte teilt diese, damit wir die Startup-Welt ein wenig besser machen können.

Ein Startup ist keine kleinere Version eines großen Unternehmens!

Diese Aussage von Steve Blanck ist deshalb extrem wichtig, da sie uns dazu bringt unsere akademischen Lehrmethoden zu überdenken. Während Startups durchaus frühe Versionen von großen Unternehmen sein können, darf man trotzdem nicht erwarten, dass sie sich genauso wie die Großen verhalten und auch nicht die gleiche Funktion erfüllen: Startups sind auf der Suche nach funktionierenden Geschäftsmodellen, während es das Ziel der großen, etablierten Unternehmen ist eine führende Rolle in ihrer jeweiligen Branche zu halten. Lest sein Buch, falls ihr das noch nicht getan habt (mit Co-Autor Bob Dorf).

Startups scheitern vor allem wegen Problemen im Team

Noam Wassemann, der das bekannte Buch “The Founder’s Dilemmas” geschrieben hat, hat dieses Problem von mehr als 65% der Startups mit VC-Unterstützung angesprochen. Probleme im Kernteam eines Startups zu lösen ist wichtiger als Kunden zu finden. Wenn ihr möchtet, dass euer Unternehmen überlebt, stellt sicher, dass ihr die richtigen Mitgründer findet!

Weniger als 5% der am schnellsten wachsenden Startups waren von VC’s unterstützt

Amar Bihde hat in seinem Klassiker “The Origin and Evolution of New Businesses” herausgefunden, dass so gut wie kein Unternehmen (weniger als 5%) der Inc 500 von VC’s unterstützt wurde. Das Zitat (übersetzt): “Mehr als 80% der Inc. Gründer, die ich studiert habe, haben ihre Firmen mit eigenen Ersparnissen, Kreditkartenschulden, Hypotheken u.a. aufgebaut (bootstrapped). Der Median der Fremdmittel lag bei etwa 10.000 USD. Nur 5% haben initial Mittel von professionellen VC’s erhalten.”

Accelerators und VC’s funktionieren nicht

Alle Acceleratoren, ohne Y-Combinator* Y-Combinator* Alle Acceleratoren*
Companies Accelerated 1.035 404 1.439
Exits 23 46 69
Gesamtsumme d. Exits 64.000.000 915.458.100 979.458.100
Gesamte Investitionssumme 365.518.011 817.229.400 118.2747.411
Arbeitsplätze 2.248 1.234 3.482

Jared Konczal arbeitet für die Kauffmann und hat einen wichtigen Blogpost geschrieben, in dem er die wenigen verfügbaren Daten über Accelerator-Programme analysiert. Zu einer Zeit zu diese Programme von allen Seiten mit Lob überhäuft und sogar noch mehr neue gegründet werden, ist es an der Zeit Politiker und die Lenker großer Konzerne daran zu erinnern, dass der großteil der Accelerators keinen guten Job beim Aufbau von Startups machen. Das gleiche gilt übrigens für Venture Fonds. Auch sie geben mehr Geld aus, als sie verdienen (lest dazu auch dieses Papier der Kauffman Foundation).

Businesspläne sind tot

Ich (Franck) habe dieses Thema schon 2009 mit Marc (Nager) vorgestellt und viele widersprachen uns. Dies ist eine direkte Folge aus den Beobachtungen, die auch Eric Ries gemacht hat: Startups sind Suchmaschinen in einem extrem unsicheren Umfeld. Während ein Business Plan für ein Restaurant durchaus sinnvoll ist, ist ein Businessplan für euer Startup in etwa so, als ob ihr den Routenanweisungen eines blinden Chimpansen folgen würdet. Oder, frei nach Steve Blank: “Kein Businessplan überlebt den ersten Kontakt mit dem Kunden”.

Mentoren sind wie Pilze

Lasst uns Klartext sprechen: “Mentoren” ist wohl nach “Entrepreneurs” das am öftesten missbrauchte Wort in unserer kleinen Startupwelt. Wer von euch ist kein Mentor? Allerdings solltet ihr – wie bei Pilzen – vorsichtig sein: Manche von ihnen sind gut, aber die meisten machen schläfrig oder sind sogar sehr giftig. Ein wirklicher Mentor ist jemand, der bereits getan hat, was ihr noch tun möchtet. Die mehrzahl der großartigsten Mentoren geben nur selten einen Rat. Ihr Job ist es vielmehr die richtigen Fragen zu stellen und hoffentlich ihre Kontakte zur Verfügung zu stellen, wenn sie feststellen, dass sie euch mögen (noch einmal, ist geht nicht um euer Startup!).

Gründungen werden weniger

Robert E. Litan (früher Direktor für Forschung bei der Kauffman Foundation) hat kürzlich an diesem Papier mitgeschrieben. Einfach zusammengefasst wurden in US-Amerika noch nie so wenige neue Unternehmen gegründet wie heute – und das in allen Branchen. Es ist sogar noch schlimmer, Menschen die ihren Job verlieren brauchen ewig um einen neuen zu finden. Zur gleichen Zeit hört man hunderte von Geschichten über neue Startups und einer boomenden neuen Wirtschaft! Erinnert euch, das ist eine weitere Nebenwirkung einer Verfälschung der Realität durch VC’s: Wenn wir weiter wachsen möchten (speziell in USA und Europa), dann müssen wir den Mainstream erreichen und das gelernte aus den Tech-Startups auch allen anderen Unternehmen zur Verfügung stellen.

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