Was Investoren hören wollen: Lean Startups brauchen eine leane Patentstrategie

Ich bin Patentanwalt. Und ich war frustriert.

Viele Unternehmer in der Gründungsphase ihrer Startups konnten meine Beratung nicht umsetzen, weil das Budget die hohen Patentkosten nicht hergab. Als die Investoren dann vor dem Abschluss der Seed- bzw. Series-A-Runde eine Patentstrategie verlangten, kamen viele der Gründer wieder zu mir. Aber es war zu spät für Patentschutz.

Das Dilemma: Patente kosten Geld (viel Geld), müssen aber angemeldet werden, bevor das was geschützt werden soll veröffentlicht wird. Alles Wissen, das der Öffentlichkeit bekannt ist, kann später nicht mehr patentiert werden — auch die eigene Veröffentlichung auf der Webseite, die Messepräsentation oder das Verteilen des MVP an die ersten Tester.

Wie gesagt, ich war frustriert. Bis ich die Lösung fand.

Aber der Reihe nach:

Warum sollten sich Lean Startups um Patentstrategie scheren?

Weil eine clevere Patentstrategie Startup-Gründern dabei hilft, Geld einzusammeln.

Jeder seriöse Geldgeber, VC oder Business Angel wird das ihm gepitchte Startup vor dem Investment gründlich durchleuchten. Das nennt man „Due Diligence“. Die entscheidende Frage, die der potenzielle Investor dabei im Kopf hat, ist: Wie sicher ist mein Geld?

Neben den klassischen Themen (Wie valide ist das Geschäftsmodell?, Wie stark ist das Gründerteam?, Wie groß ist der Markt?) müssen die Gründer dem Investor eine klare Antwort auf diese beiden Fragen geben:

* Wie leicht können Wettbewerber das Businessmodell kopieren?

* Welche Sicherheit hat das Startup, dass es keine Rechte Dritter verletzt?

„Wir sind First Mover!“ hilft für die erste Frage. Aber nur solange, bis der Wettbewerb aufgeholt hat. Auf die zweite Frage haben die wenigsten Entrepreneure eine überzeugende Antwort. Also macht der Investor ein (-) in der Due Diligence-Checkliste.

Warum klassische Patentstrategien hier nicht weiterhelfen

Jeder durchschnittliche Patentanwalt wird dem findigen Entrepreneur die Basics erklären: Die Erfindung muss geheimgehalten werden, bis die Patentanmeldung beim Patentamt hinterlegt wurde. Erst nach Einreichung der Patentanmeldung dürfen die innovativen Features öffentlich zur Schau gestellt werden. Zu der Patentanmeldung kann man nach der Einreichung inhaltlich nichts mehr hinzufügen.

Das ist alles richtig. Passt aber leider überhaupt nicht zum Lean Startup-Ansatz:

* Die Gründer haben im Allgemeinen in der frühen Phase, noch bevor die ersten Testkunden das MVP zu Gesicht bekommen, kein Budget für eine professionell ausgearbeitete Patentanmeldung.
* Eine solche frühe Patentanmeldung kann per Definition nur die Features des MVP schützen. Wenn das Patent dann 2–3 Jahre später auf diesem technischen Stand erteilt wird, wird es mit ziemlicher Sicherheit das finale Produkt nicht schützen.

Also irgendwie ein Henne-Ei-Problem?

Nicht, wenn man die Sache neu denkt:

Eine Lean Patentstrategie für Lean Startups

Es ist eigentlich ganz einfach:

1. Nach der ersten Build-Phase, aber vor dem Measure/Learn, d.h. vor Loslassen der Testkunden auf das MVP, machen die Gründer eine provisorische Patentanmeldung. Die wird zwar nie zum Patent führen, sichert aber einen amtlichen Anmeldetag. Das ist wichtig, denn alles, was nach dem Anmeldetag veröffentlicht wird, steht einer späteren Patentierung nicht im Weg. Die provisorische Patentanmeldung ist der Grundstein für spätere eigene Patente (siehe die erste Frage oben). Nach jedem Build/Measure/Learn-Zyklus bzw. bei jeder größeren Iteration, zumindest aber bei jedem Pivot, machen die Gründer weitere provisorische Patentanmeldungen. Mit der richtigen Anleitung geht das mit sehr wenig Geld.

2. Auf Basis des MVP und dann fortlaufend können die Gründer eigene FTO-Recherchen (FTO = „freedom to operate“) nach potenziell gefährlichen Patenten Dritter vornehmen (und damit die zweite Frage oben beantworten). Auch hier kann man mit der richtigen Anleitung Kosten sparen.

3. Innerhalb von einem Jahr nach der ersten provisorischen Patentanmeldung wird eine professionell ausgearbeitete internationale Patentanmeldung nachgeschoben. Das kostet einige Tausend Euro.

4. Spätestens zweieinhalb Jahre nach der ersten provisorischen Patentanmeldung muss die internationale Patentanmeldung in klassische Patentanmeldungen in den einzelnen Zielmärkten umgewandelt werden. Hier entstehen die ganz großen Kosten.

Die Vorteile für Lean Startups liegen auf der Hand:

* Die großen Patentkosten werden zeitlich so weit wie möglich aufgeschoben – nämlich bis das Startup Investoren gefunden hat bzw. das Businesskonzept validiert und erste Umsätze generiert hat.

* Durch das frühe Sichern des Anmendetags legt das Startup frühzeitig den Grundstein für ein solides Patentportfolio. Das hilft kurzfristig bei der Investorensuche und ist langfristig ein wichtiger Baustein für ein erfolgreiches Business.

Interessiert?

Eigentlich also ganz einfach. Aber auf die richtige Anleitung kommt es an!

Ich entwickle gerade ein Beratungskonzept speziell für die Bedürfnisse von Early Stage-Startups. Eben Patentstrategie neu gedacht.

Wer mehr wissen möchte, spricht mich am besten direkt unter oder auf LinkedIn (https://www.linkedin.com/in/bastianbest/) an.

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