Gründer-Talk mit Robert Ermich von DEINHANDY.de

Robert Ermich und sein im August 2014 gegründetes Unternehmen haben es geschafft – im Vergleich zum gängigen Start-Up-Konzept – ohne Fremd-Finanzierungen und Kapitalgeber profitabel zu sein. Heute zählt das Unternehmen zu den am schnellsten und erfolgreichsten wachsenden Startups in Deutschland. Robert’s Vision: eine Vergleichsplattform schaffen, die einen fairen Mobilfunkmarkt ermöglicht. Aus der Vision wurde eine Mission, die das Unternehmen heute mit über 55 Mitarbeitern vorantreibt.

Wir haben Robert zum Interview getroffen.

Für diejenigen, die Dich nicht kennen, stell Dich doch bitte kurz vor.

Ich bin Robert Ermich, Gründer und Geschäftsführer von DEINHANDY.de, einer unabhängigen Plattform für den Mobilfunkbereich. Vor der Gründung im Jahr 2013 habe ich 2008 meinen Bachelor und 2011 meinen Master an der WHU, der Otto Beisheim School of Management, abgeschlossen. Im Anschluss folgte noch der IMBA an der University of San Diego.

Was hast Du seit dem Abschluss an der WHU erlebt (Gründung, Meilensteine, Herausforderungen, Erfolge)?

Nach meinem Doppel-Master, den ich in San Diego abgeschlossen habe, wollte ich eigentlich in Kalifornien bleiben, bekam aber dann ein Angebot aus Düsseldorf, was ich nicht ablehnen konnte: Ein direkte C-Level-Stelle in einem Start-up, was TV-Media in Aussicht hatte und Sixt als Seed-Investor vorweisen konnte. Als Auto-Liebhaber konnte ich da schwer nein sagen. Der Business-Case schien schlüssig und schier unendliche TV-Reichweite versprach, dass man tatsächlich einfach eine Marke aufbauen konnte. Das Unternehmen war Preis24.de. Bei Preis24.de haben wir von 2011 bis 2014 ein großes Unternehmen aufgebaut, was in Spitzenzeiten knapp 80 Mitarbeiter zählte. Zwischenzeitlich waren wir auch Marktführer im Bereich der Telekommunikations-Vergleicher. Im Jahre 2014 entschloss ich mich dann das Thema noch einmal neu aufzurollen und mit anderen Mitteln und einem leicht veränderten Konzept von Berlin aus DEINHANDY.de zu gründen und aufzubauen. Und das tu ich seitdem mit sehr viel Freude und einer steilen Wachstumskurve.

Warum ist die WHU Deiner Meinung die beste Uni, wenn man sein eigenes Start-Up gründen möchte?

Ich kann nicht beurteilen oder pauschal sagen, dass die WHU „die BESTE“ Uni ist, wenn man sein eigenes Start-Up gründen möchte, aber es gibt ein paar Punkte, die einem sicherlich das Leben etwas einfacher machen.

Die abgelegene Lage im Westerwald und das permanente Zusammenleben (das ganze Dorf ist wie ein großer Campus) tragen sicherlich dazu bei, dass eine etwas engere Verbindung untereinander entsteht als bei anderen Universitäten. Insgesamt ist das Netzwerk der WHU aus meiner Sicht das größte Alleinstellungsmerkmal. Ich kenne keine andere Uni, deren Alumni so eng und vertraut auch Jahre nach dem Abschluss zusammenhalten. Der Spirit ist für mich einzigartig – und das aus meiner Erfahrung ist ähnlich bei einem Start-Up. Man sitzt zusammen und muss zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Man verbringt seeeehr viel Zeit und sehr viele Nächte mit den gleichen Leuten und muss miteinander klarkommen und ein gemeinsames Ziel haben. Ich denke auf solche langen Nächte bereitet einen die WHU sehr gut vor. Auch auf das Vertrauen, was man sich im Team in einem Start-Up entgegenbringen muss wurde bei mir damals schon geprägt.

Der Zugang zu großen Unternehmen und eben die hohe Anzahl an Gründern unter den Alumni macht es den Studenten dann sehr einfach recht früh Erfahrungen zu sammeln und mit Gründern und Start-ups auch in der Tiefe in Berührung zu kommen. Initiativen der WHU wie das „Idea-Lab!“ und andere sind gute Plattformen, gerade für die interessierten Studenten, die sich mit dem Thema Start-Up enger auseinanderzusetzen möchten.

Darüber hinaus suchen die ganzen WHU-Start-Ups natürlich auch immer händeringend nach guten Praktikanten. Dass man da aus den eigenen Reihen gerne rekrutiert, weil es einfacher ist, die Leute einzuschätzen und die Praktikanten oft auch eine andere Verantwortung gegenüber den Alumni während ihres Praktikums sehen, hilft natürlich ebenso.

Deine drei entscheidendsten Learnings im aktuellen Job?

  • You’re suddenly „the boss“: Während man am Anfang einfach der „best buddy“ von jedem ist, gibt es irgendwann einen Punkt, an dem man das nicht mehr mit allen sein kann. Für mich kam dieser Punkt an dem mir einer meiner Team-Heads sagte, dass sich eine Mitarbeiterin nicht traut mich anzusprechen, weil ich ja der „Chef“ sei. Das hab ich erst mal nicht verstanden, weil ich mich eigentlich als Teil des gesamten Teams fühle und nicht oben drüber stehe. Letzten Endes kann sich man aber bei 50 und mehr Team-Mitgliedern nicht mehr mit jedem für 5 Minuten am Tag austauschen.
  • Let go: man kann nicht immer alles machen. Es muss einen Punkt geben, an dem man Dinge abgibt. Das geht mit einigen Aufgaben leichter und bei anderen tut man sich schwerer. Oft halten einen aber dann Kleinigkeiten auf und man hat keine Zeit mehr sich auf die wesentlichen, wertstiftenden Dinge zu konzentrieren. Dabei sollte man den Wert einer guten Team/Office-Assistenz nie unterschätzen.
  • Focus on the core: Ein Start-Up ist immer auch eine Spielwiese, um neue Geschäftsfelder auszuprobieren und neue Kanäle zu entdecken. Dabei muss man nur aufpassen, dass diese „Seitenspielplätze“ nicht irgendwann zu viele Kapazitäten einnehmen und man den Fokus zu weit vom Kerngeschäft verliert.

Die aktuellen Zukunftspläne?

Ganz einfach: Die Marktführerschaft in Deutschland erlangen und die Erweiterung in weitere Länder in den nächsten Jahren!

Warum scheitern aus Deiner Sicht die meisten Start-Ups?

Da gibt es verschiedene Gründe. Zum einen werden oft Marketing-Kanäle und Skalierungs-Effekte überschätzt. Findet man dann nicht den richtigen Weg, um etwas langsamer zu wachsen oder auf andere Kanäle auszuweichen, wird das Geld irgendwann knapp.

Zum anderen haben Start-Ups oft gute Ideen und gute Teams, aber das Produkt ist noch unausgereift oder der Markt noch nicht bereit.

Als dritten Punkte habe ich schon leider sehr oft Investoren gesehen, die in ein Unternehmen investiert haben, dann aber dem Team zu wenig Freiraum gegeben haben oder zu viel ins Business-Modell reingeredet haben. Controlling ist gut, aber zu viele Reportings halten einfach nur auf. Meistens haben die Gründer eine klare Vision, wo sie hinwollen mit dem Unternehmen und dem Produkt. Weichen die Interessen der Investoren dann zu stark davon ab, kann das auch einen Effekt auf das gesamte Team-Konstrukt haben. Daher: Augen auf bei der Partner/Investoren-Wahl. Es kommt nicht nur auf ein dickes Bankkonto an.

Welche Tipps und Ratschläge kannst Du Studenten und angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Das Team ist der Schlüssel zum Erfolg. Wichtig ist, dass man sich vertraut und gut versteht. Letzten Endes verbringt man viel Zeit miteinander. Überschätzt Kanäle nicht, wenn ihr sie nicht wirklich kennt. „Data is key“. So früh wie möglich wissen, was wo auf der Seite oder im Unternehmen passiert um Entscheidungen auf Datenbasis und nicht nur aus dem Bauch heraus treffen zu können.

Regelmäßiger Austausch mit anderen Gründern und Experten bringt einen voran. Dabei geht es nicht nur um spezifische Themen, sondern auch allgemein um den Austausch von Problemen und auch Erfolgsgeschichten.

Erweitert Euer Netzwerk und Euren Horizont. Das bringt Inspiration für neue Themen und bringt oft auch andere Sichtwinkel auf bestehende Herausforderungen

Wie bereitest Du Dich am Sonntag auf eine neue Woche vor?

Ich mache gar nicht mal so viel. Ein paar E-Mails werden bearbeitet und der Termin-Kalender strukturiert.

Und ganz wichtig: natürlich die Bundesliga- und Comunio-Ergebnisse checken, damit man sich am Montagmorgen mit den Kollegen gemeinsam darüber lustig machen kann.

Wollt Ihr mehr über Robert und DEINHANDY erfahren? Hier gibt es mehr Infos: www.deinhandy.de

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.