“Keine langweiligen Meetings mehr”

Interview mit Julian Jost, dem Gründer der Meetingraum-Buchungsplattform Spacebase.

Startup Germany: Kannst Du kurz das Geschäftsmodell von Spacebase beschreiben, welches Problem wird bei Euch gelöst?
Julian: “Keine langweiligen Meetings mehr”, war der Konzeptansatz mit dem mein Gründungspartner Jan und ich Spacebase 2015 ins Leben gerufen haben. Als ehemaliger Unternehmensberater waren wir permanent in Meetings mit Kunden und Teammitgliedern. Irgendwann empfanden wir die immer gleich aussehenden Räume von Tagungshotels und Business Centern als völlig langweilig, inspirationsarm und ungeeignet für kreative Arbeit. Nachdem wir für unsere Unterkunft immer mehr aus Hotels zu Airbnb wechselten, dachten wir, dass es sowas doch auch für Meetingräume geben muss.

Mit Spacebase haben wir mittlerweile das größte online verfügbare Angebot von Design orientierten und wirklich außergewöhnlichen Räumen für Business-Meetings und Workshops aufgebaut. Neben atmosphärischen Lofts, Büros im Industrie-Chic und ganz ausgefallenen Locations, wie z.B. Vintage-Tankstellen, Kirchen, Box-Arenen oder Booten, haben wir ein großes Portfolio an professionellen Raumlösungen für Business-Events.

Unser Kernmarkt ist Deutschland, aber auch in Frankreich und England bereits Marktführer und seit einem Jahr ebenfalls in den USA sehr gut aufgestellt.

Startup Germany: Was macht das Geschäftsmodell einzigartig - was sind die USPs?
Julian: Wir bieten ein Kostenvorteil gegenüber teuren Tagungshotels und einen sehr einfachen und transparenten Buchungsprozess. Zusätzlich zu den Locations können über dieselbe Buchungsmaske auch das Catering und Veranstaltungsutensilien hinzugebucht werden, so dass im Prinzip die komplette Veranstaltung über uns organisiert und abgewickelt werden kann. Außerdem unterstützt ein selbst-lernender Algorithmus das Matching zwischen Suchenden und Locationanbietern, indem passend zu harten und weichen Kriterien - wie etwa Atmosphäre - passende Spaces vorgeschlagen werden.

Startup Germany: Im Web seid ihr sehr aktiv, vor allem durch eure experiMENTAL-Webserie kennen euch viele. Worum geht es dabei genau?
Julian: Wir wollen nicht einfach nur Meetingräume bereitstellen, sondern uns als Meeting-Experten positionieren und unseren Kunden einen ganzheitlichen Wissensvorsprung im Thema Meetings liefern. Mit der experiMENTAL-Webserie leisten wir auf humorvolle Weise Forschungsarbeit und gehen der Frage nach, welche Faktoren die Kreativität bzw. die Produktivität in Meetings steigern. In Form von A/B-Test werden verschiedene Faktoren gegenübergestellt und im Anschluss untersucht und bewertet, wie sich diese Faktoren auf die Effizienz der Arbeit auswirkt. Die Videos haben bereits sehr gute Resonanz im Netz hervorgerufen, sogar Microsoft und Psychology Today haben darüber berichtet. Demnächst gibt es eine vierte Staffel, diesmal in Kooperation mit einem der größten Berliner Startup-Brands. Mit wem wird aber noch nicht verraten - es bleibt also spannend!

Startup Germany: Was ist deine Vision für dein Startup? Wo glaubst du steht Spacebase in fünf Jahren?
Julian: Spacebase wächst zur Zeit extrem stark. Wenn ich das auf die kommenden fünf Jahre hochrechne, werden wir wirklich flächendeckend in Europa und den USA vertreten sein. Ich selber habe u.a. in China studiert, daher finde ich den gesamten asiatischen Markt sehr spannend. In Hong Kong haben wir bereits spannende Locations. Japan, Korea sind potentielle weitere Schritte. Vielleicht wird irgendwann auch ein Börsengang relevant.

Startup Germany: Was hältst Du von Deutschland und insbesondere vom Standort Berlin für Startups und Neugründungen?
Julian: Deutschland ist bereits ein guter Standort für Gründer und verbessert sich stetig. Die Politik entdeckt das Thema “Gründerstandort Deutschland” parteiübergreifend immer mehr für sich und fördert Gründer durch zahlreiche regionale Initiativen. Es gibt viele Möglichkeiten Investoren für sich zu gewinnen - natürlich nur mit wirklich guten Konzepten .

Berlin ist sicherlich nicht der einzig interessante Standort für Gründer. Auch Hamburg, NRW, Thüringen und andere Standorte entwickeln sich immer mehr zu attraktiven Gründerzentren. Aber Berlin wird wahrscheinlich auch auf lange Sicht das Epizentrum der Szene bleiben. Es gibt hier einfach eine gute Infrastruktur, starke Netzwerke und es ist relativ leicht qualifizierte, internationale Mitarbeiter zu finden.

Startup Germany: Welche Tipps kannst Du jungen Gründern mit auf den Weg geben?
Julian: Zwei Aspekte kann ich Gründern sehr ans Herz legen: Immer wieder die eigenen Theorien testen und immer ein Auge auf die Liquidität des Unternehmens haben.

In der Theorie scheint oftmals alles sehr schlüssig, doch erst beim realen Markteintritt und während der Etablierung entwickeln sich vorher kaum erkennbare Chancen und Risiken und erst dann zeigt sich auch die wahre Produkt-Fitness. Es gilt hierbei auch jenseits des vorher geplanten Weges viele Produktvarianten und Marktadaptionen in Erwägung zu ziehen und zu testen; dieser Erfahrungsschatz ist Gold wert.

Auch der zweite Tipp, am Anfang das Hauptaugenmerk auf die Liquidität des Unternehmens zu legen, ist elementar wichtig. Leider habe ich schon einige Gründer gesehen, die berauscht waren vom rapiden Wachstum und den großen Umsatzzahlen, aber die durch eine mangelnde Liquidität in einer spontan aufgetreten Stressphase einen Genickbruch erlitten.

Startup Germany: Danke für das Interview, Julian!

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