Liquidität und Kreditwürdigkeit steigern durch Factoring

Stephan Schmitz

Existenzgründer und junge Selbstständige haben trotz gut laufender Geschäfte und solider Finanzierungsgrundlagen nicht selten mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. Während Vorkosten für die Produktion von Waren oder das Anbieten von Dienstleistungen sofort zu begleichen sind, fließen die Erlöse erst später. Selbst wenn alle Kunden pünktlich zahlen (was längst nicht jeder tut), gibt es immer noch einen Zeitverzug durch eingeräumte Zahlungsziele. Eine Möglichkeit, schneller an flüssige Mittel zu gelangen, ist der Verkauf von Forderungen bereits vor der Fälligkeit.

Unterschiedliche Pakete

Factoring heißt der Verkauf von Forderungen an Banken oder spezialisierte Unternehmen. Das Wort leitet sich von factura, lateinisch für Rechnung, ab. Die Idee ist nicht neu. Dem Factoring vergleichbare Rechtsgeschäfte sind bereits aus vorchristlicher Zeit dokumentiert. Heutiges Factoring wird in Deutschland in großem Stil seit den 1970er-Jahren praktiziert und ist nach Klärung umstrittener Fragen durch den Bundesgerichtshof auch rechtlich abgesichert. Echtes (umfassendes) Factoring liegt vor, wenn Forderungen gegen Kunden sofort nach deren Entstehen an ein Factoring-Unternehmen oder kurz Factor verkauft werden. Der Factor übernimmt die Bonitätsprüfung, das Erstellen der Rechnung, die Überwachung des Zahlungseingangs und gegebenenfalls das Mahnwesen. Bereits ein bis zwei Tage nach dem Entstehen einer Forderung überweist der Factor den Rechnungsbetrag – nach Abzug der vereinbarten Kosten – auf das Geschäftskonto des Verkäufers. Ein Regressrecht für den Fall, dass das Geld nicht eingetrieben werden kann, gibt es nicht. Der Verkäufer profitiert also nicht nur vom schnelleren Cash Flow, sondern auch von einer größeren Planungssicherheit, weil er sich keine Gedanken über Forderungsausfälle machen muss. Ganz nebenbei erhöht er auch seine Kreditwürdigkeit, weil die Eigenkapitalquote steigt.

Kosten im Auge behalten

Die Überweisung des Factors beträgt üblicherweise zwischen 80 % und 90 % der ursprünglichen Forderung. Anstelle des Regresses wird nämlich ein Kaufpreiseinbehalt vereinbart, der Verluste durch nicht bezahlte Rechnungen ausgleicht. Weitere Kosten entstehen durch eine Factoring-Gebühr, eventuell separat berechnete Gebühren für die Bonitätsprüfung und weitere übernommene Dienstleistung und durch Zinsen für die Vorfinanzierung. Der Factoring-Ratgeber www.kreditist.com empfiehlt, unterschiedliche Varianten des Factorings mit abgespeckten Dienstleistungen des Factors auch unter Kostengesichtspunkten zu prüfen und danach zu entscheiden, welche Variante am besten auf den Einzelfall passt.

Bild: Unsplash.com / rawpixel

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